Mein erster Tag hier war sehr eindrucksvoll. Viele riesige Gebäude aus Stahl und Glas … alles erstaunlich perfekt … wenn man sich den Rest von Bangalore ansieht und vergleicht. Direkt neben den meterhohen Mauern, die den Campus abtrennen, sind kleine Lehmhütten aufgebaut, in denen Menschen leben, die von der Globalisierung nicht profitiert haben. Auch die Umweltbedingungen sind hier nicht lungenfreundlich. Als ich vom Flieger am 01.11.2007 ausgestiegen bin, hat es erstmal gestunken. Nach Abgasen und etwas Unindentifizierbarem… dann stürmten mir Leute zu, die irgendwas wollten… Geld oder was verkaufen…. Verstehen konnte ich die alle nicht. Auch das Indo-English ist hier ein Problem. Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt und verstehe, was gemeint ist, wenn mich der cab driver fragt, woher ich komme.
Auffallend ist die nervige Infrastruktur. In der Rush-hour benötigt man 1,5 Std., um ca. 15 Kilometer in die City zu fahren. Auch generell muss man sich in Indien an andere Maßeinheiten gewöhnen. Eine Fahrt mit dem Zug (vergleichbar Frankfurt – Berlin) würde hier mind. 24 Std. dauern
Aber Indien hat natürlich auch seine tollen Seiten. Die Menschen sind alle sehr freundlich, jedoch auch zurückhaltend. Landschaftsmäßig ist es wirklich wunderschön … wenn man mal einen Kurztrip durch die Strassen macht, sieht man, wie bunt dieses Land ist – trotz ihrer Probleme.
Eins habe ich hier u.a. gelernt: Die Leute hier sind zwar noch nicht so gut, wie in Deutschland oder den USA … Indien profitiert in erster Linie an den geringen Persionalkosten. Doch die Ansprüche der Hochqualifizierten steigt kontinuierlich – die Gehälter steigen von Jahr zu Jahr. Die Inder werden sich nicht mehr auf ihren Kostenvorteil ausruhen können – sie sind hungrig – hungrig nach mehr Leistung und Bildung … Indien holt mächtig auf!
Es ist ein Land mit vielen Gegensätzen. Auf der einen Seite die Technlogien, die Moderne – auf der anderen Seite Armut und Elend. Aber man lernt selbst, nach einer Weile nicht mehr darüber nachzudenken, sondern das Land so zu nehmen, wie es ist. Das Kastensystem ist nach wie vor ein Problem. Man merkt es teilweise beim Mittagessen, wie sich die Grüppchen bilden. Offiziell ist Diskriminierung bei Infosys strengstens verboten, was mich auch sehr beeindruckt hat. Infosys legt viel Wert auf Sauberkeit, Qualität und das allgemeine Wohlbefinden der Infys (so heissen Mitarbeiter von Infosys): Fitnesstudios, Freizeitangebote, Schwimmbad, Fahrräder etc… Ich bin einer von 6 StundentInnen, die mit dem Global Internship Program hergeholt wurden. Es sind Leute aus China, Amerika, Süd-Korea und Australien … und wir unternehmen fast jeden Tag etwas zusammen. Bangalore bietet eine grosse Zahl an Clubs, Bars und tollen Restaurants – richtig edel – die Preise sind im Schnitt sehr gering, was Nahrungsmittel, Gastronomie oder Textilien anbelangt.
Wir, die aus dem Westen, werden schon viel priviligierter behandelt. Vorallem sind die Inder so begeistert von Deutschland. Deutschland steht für sie für Zuverlässigkeit, Fleiß, Qualität, Technologie etc… (das kennen wir ja alles *g*) und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich zum ersten Mal als Deutscher gesehen wurde. Keiner hat gefragt, dass ich ja eigentlich gar nicht so aussehe oder woher ich denn eigentlich her bin… Als Deutsch-Türke kennt man das Problem, dass man in Deutschland nicht so richtig Deutscher ist und in der Türkei kein richtiger Türke ist. Das war ein neues und schönes Gefühl
Lehrreich ist auch, zu sehen, wie man im Projekt mit anderen KollegInnen, die aus den unterschiedlichsten Kulturen kommen, erfolgreich zusammenarbeiten kann. Es war ein Erfolgserlebnis, als ich mit anderen Informatikern über Lösungsansätze gesprochen habe und man am Ende mit der gleichen Sprache spricht – ähnliche Erfahrungen … Ideen, die man versteht – man hat ähnliche Denkstrukturen und versteht den anderen, ohne lange nachzudenken. Es macht kein Unterschied mehr, wo man in der Welt ist. Das Wissen ist überall und hängt nicht von der Kultur oder Religion ab.
Rundherum werde ich nachhause kommen: mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken – so funktioniert Globalisierung in Wirtschaft, Bildung und Kultur. So eine Erfahrung kriegst Du nicht in Deutschland auf dem Sofa … ich bin mittendrin
Die Zentrale von Infosys Technologies Ltd. ist auf dem Infosys Campus in Bangalore. Der Campus ist ein Teil von ELECTRONICS CITY, einem gigantischen Industriegebiet.
Hier sind namhafte Unternehmen wie HP, Yahoo, Motorola mit Ihren Niederlassung für Produktion und Entwicklung ansässig (http://en.wikipedia.org/wiki/Electronics_City)
Einige Impressionen: